Vom 01.07. bis zum 03.07. wurden die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rudern am Werdersee in Bremen ausgerichtet. Mit vertreten waren natürlich auch die Studenten des BRV, die in diesem Frühjahr viel Zulauf hatten: Dietrich, Alex und Lisa kamen neu in die Gruppe. Für Alex und Dietrich waren es im April die ersten Male auf dem Wasser; Lisa hatte zwar schon etwas Erfahrung im Riemenrudern gesammelt, saß aber nun auch schon einige Monate nicht mehr im Ruderboot. Uns Neulinge soweit fit zu machen, dass wir gemeinsam mit Vanessa, Felix und Tom, die allesamt schon mehr Rudererfahrung hatten, an der DHM teilnehmen konnten, stellte eine Herausforderung dar. Nicht nur haperte es an der Technik, auch die Fitness ließ noch zu wünschen übrig. Aber dank der Engelsgeduld und des Engagements unserer lieben Trainer, allen voran Bolko Maaß, schafften wir es tatsächlich: Am Wochenende der DHM sollten wir unsere erste Regatta im Gig-Boot fahren.

Als der Morgen des ersten Renntages dann gekommen war, war die Aufregung natürlich groß: Die erste Regatta und dann gleich ein so großes Event wie die DHM! Der Männer 4er stellte sich der Herausforderung zuerst: Am Samstag traten Tom, Felix, Dietrich und Alex im 4er Gig Boot in der Novice-Gruppe an. Gig SM 4xNach einem etwas holprigen Vor- und Hoffnungslauf erkämpfte sie sich bei „bestem“ Bremer Wetter mit einem ersten Platz im Zusatzlauf einen Platz im C-Finale. Nach letztem Input und mentaler Vorbereitung durch Trainer Bolko ging es dann in den Finallauf: Mit der bisher besten Zeit und nur 0,04 Sekunden Rückstand auf das nächste Boot belegten die Gig-Studenten den 3. Platz im C-Finale und damit insgesamt den 15. Platz in der Gesamtwertung.

DHM6Für Tom und Dietrich ging es am Sonntag dann auch gleich weiter: Gemeinsam mit Vanessa und Lisa traten sie (natürlich schon etwas erschöpft) auch im Mixed 4er im Gig-Boot beim Novice-Rennen an. In den Wochen vor der DHM gestaltete es sich hier oft schwierig, alle aus dem Boot gemeinsam aufs Wasser zu bringen; mal war der eine verreist, mal der andere krank. DHM8+Zum Glück sprangen immer wieder andere aus der Studentengruppe ein, sodass wir trotzdem genug trainieren konnten – danke dafür an alle konnten (vor allem natürlich Melanie Kanz, Gennadj und Sebastian, aber auch viele andere), die mit uns gerudert sind und uns so die wertvollen Meter auf dem Wasser ermöglicht haben; an dieser Stelle auch vielen Dank an unsere lieben Steuerfrauen und -männer! In der wirklichen DHM-Formation schaffte es der Mixed 4er es aber gerade einmal zwei-, dreimal aufs Wasser. Dass der Start im Vorlauf dann etwas holprig war, war daher vielleicht nicht ganz überraschend. Im Laufe des Rennens fand die Mannschaft jedoch zusammen und kam als drittes Boot ins Ziel.

Der Hoffnungslauf blieb uns so jedoch leider nicht erspart. Diesen konnten wir jedoch trotz Wind und dank guter Steuerfrau souverän absolvieren und sicherten uns mit einem 2. Platz eine Platzierung in der vorderen Hälfte – worauf wir erstmal echt stolz waren! Umso größer war dann allerdings die Enttäuschung darüber, dass uns im B-Halbfinale nach etwa 300m die Puste und schließlich die Konzentration ausgingen, weshalb wir erst als fünftes ins Ziel einfuhren. Im Finale konnten wir also nur in der Gruppe C an den Start gehen.

War es den ganzen Sonntagmorgen über noch sonnig, zogen zum Start der Finals dunkle Wolken auf. Kurz vor dem Start sagte Dietrich sagte: „Hoffentlich kommt das erst nach unserem Rennen runter…“ – von wegen! Wenige Sekunden nach dem Sofortstart begann ein Platzregen mit starkem Wind und die Wellen schwappten nur so ins Gig-Boot. Ob wir nun einfach nur so schnell wie möglich wieder an Land wollten oder wir als Bremer bei dem Wetter doch einen kleinen Heimvorteil hatten: Wir schlugen die anderen Mannschaften teils um einige Längen und erreichten damit Platz 13 von 35. Kaum hatten wir dieses letzte Rennen dann hinter uns, waren die Anstrengungen der vergangenen Wochen und der Renntage dann schnell vergessen: Für beide Mannschaften war es ein super DHM, die viel Spaß gemacht hat und uns sicherlich alle motiviert hat, im nächsten Jahr noch besser abzuschneiden!

Bei der DHM mit vertreten waren aber nicht nur die Neulinge unter den Studenten, auch die schon Regatta-erprobten Ruderer unter ihnen wollten bei der DHM 2016 wieder mitmischen: Nachdem sie schon letztes Jahr auf der DHM in München mehrere Podienplätze und eine goldene Ananas in der Gig-Klasse gewonnen haben, waren die Ambitionen für die diesjährige DHM in Bremen natürlich groß.

Auch hier gab es aber so einige Startschwierigkeiten. Die fortgeschrittenen Studenten unter uns wollten gerne einen Challenge Vierer auf die Beine kriegen, eine Mannschaft zusammenzustellen, stellte jedoch eine Herausforderung dar. Einigen Kandidaten war es nicht möglich an der DHM selbst teilzunehmen, andere wohnen mittlerweile nicht mehr in Bremen. Außerdem brauchten wir unbedingt Leute, die uns trainieren, ohne das herkömmliche Training für die Studenten einzuschränken.

Letzten Endes ist der Entschluss gefallen, dass wir einen Vierer mit den älteren Hasen zusammenstellen, und zwar mit Nicole Weymann, Matthias Koop, Max Sudhoff und Melanie Kanz. Challange SF_SM 4x 3Abgesehen davon, dass wir nicht sehr viele regelmäßige Trainingstermine bis zur DHM nutzen konnten, barg das Projekt Challenge Mix Doppelvierer viel größere Herausforderungen. Wir hatten allesamt wenig bis gar keine Rennerfahrung in einem Rennboot, wir sind noch nie auf einer Regatta mit Fußsteuer gefahren und mit einer 1000m Distanz hat sich unsere gewohnte Rennstrecke verdoppelt. Außerdem mussten wir uns Material beschaffen, ohne andere Trainingsabteilungen einzuschränken.

Das größte Problem war jedoch, dass unsere Bugfrau Nicole Weymann im Hochwasser geplagtem Trier wohnt. Das heißt, wir brauchten permanent kompetente Leute, die mit uns aufs Wasser gehen und uns rennfähig machen. Challenge SF_SM 4x 2An dieser Stelle ein sehr großes und herzliches Dankeschön an Ann-Katrin Weber, Melanie Baues und Eleni Melis. Ohne die ganze Zeit, eure Geduld und all die guten Ratschläge hätten wir niemals an den Start gehen können!

Wir haben jeden freien gemeinsamen Termin zum Trainieren genutzt, und wenn jemand aus unserer Besetzung keine Zeit hatte, so wurde Ersatz besorgt. Gesteigert haben wir uns permanent: Was am Anfang noch rhythmusloser Blattsalat war entwickelte sich zu einem immer stabiler werdenden Rennvierer mit ordentlich Druck hinterm Blatt. Obwohl bei einigen Einheiten die Nerven blank lagen, weil das Boot aus unerklärlichen Gründen gewackelt hat und mehr gerollt als gezogen wurde, so wurden wir dann doch bald entschädigt. Denn das Boot lief immer runder, das Steuern klappte immer besser und auch unsere Fitness erlangte wieder alten Glanz. Und so rückte das lang ersehnte und zugleich gefürchtete DHM Wochenende immer näher.

Am Freitag des DHM Wochenendes saßen wir nun zum ersten Mal in voller Rennbesetzung zusammen im Boot. Nach einem etwas wackligen Start fanden wir langsam während der Einheit zusammen. Auch am Samstag und sogar am Sonntag haben wir noch zusammen trainiert, um unserer Performance den letzten Schliff zu geben. Und am Sonntagnachmittag, als wir so auf unser Rennen gewartet haben, fragten wir uns dann: „Warum tut man sich so etwas eigentlich an?“ Aufgrund von strömenden Regen und Wind (was ja eigentlich unser oben erwähnter Heimvorteil sein sollte), wurde zunächst die Regatta um 50 Minuten unterbrochen, sodass wir schön auf die Folter gespannt wurden und uns nochmal mehr verrückt machen konnten. Doch der Himmel klarte auf, wir gingen aufs Wasser und fuhren bei strahlendem Sonnenschein an den Start. Bei unseren Gegnern machte sich Nervosität bemerkbar, doch wir waren nun fokussiert auf das einzige Rennen, das wir an diesem Wochenende fahren sollten.

Einschätzen konnte uns niemand, noch nicht einmal wir selbst. Denn gegen andere Boote sind wir bis dato noch nie wirklich gefahren. Wir kamen gut vom Start, legten uns nach vorne und behielten den Vorsprung. Wir hielten den Druck aufrecht und gaben alles, sodass für den Endspurt leider nicht mehr viel übrigblieb und wir uns den ersten Platz kurz vor dem Ziel noch nehmen ließen. Doch das war uns egal, denn schließlich haben wir lediglich darauf hingearbeitet, nicht letzter zu werden und nun bekamen wir unerwartet einen Podiumsplatz!

All die Anstrengungen schienen vergessen und nun konnten wir es kaum abwarten, unser Siegerbier (sponsored by Cheftrainer Bolko) zu genießen. Ein perfekter Abschluss vor allem für Nicole und Melanie, denn für die beiden soll dies die letzte DHM gewesen sein.

Text: Alexander Anschütz, Lisa Zacharski und Matthias Koop
Fotos: Jonathan Vaupel